Pressemitteilung – Neue Initiative zur Unterstützung ehemaliger afghanischer Ortskräfte

Pressemitteilung

Neue Initiative zur Unterstützung ehemaliger afghanischer Ortskräfte

In Potsdam trafen sich am 26. November Vertreter internationaler Organisationen um die Gründung einer internationalen Initiative zur Unterstützung ehemaliger Ortskräfte voranzutreiben. Ziel ist es dabei, den Menschen nach der Flucht beizustehen. Initiator und Gründer ist Marcus Grotian, Vorsitzender des Patenschaftsnetzwerkes Afghanische Ortskräfte e.V. in Deutschland.

Die Internationale Organisation soll zukünftig die nationalen Engagements unterstützen und vernetzen. In Ländern ohne bestehende Helfergruppen vor Ort sollen diese nach Möglichkeit gegründet werden. Zudem ist vorgesehen, dass die neue Organisation Ansprechstelle für ehemalige Ortskräfte internationaler Organisationen wie der UNO, der EU und der NATO fungiert. Es ist nicht weniger als der Versuch, das Problem der vergessenen ehemaligen Ortskräfte weltweit zu lösen.

Hintergrund des Gründungstreffens ist laut Marcus Grotian die zunehmende internationale Dimension von Ortskräfte-Fällen und die Notwendigkeit der Vernetzung nationaler Initiativen. Alle Länder eint, dass die Betreuung der ehemaligen Ortskräfte durch die Zivilgesellschaft erfolgt, hier sind es oftmals ehemalige oder aktive Militärangehörige, die sich ehrenamtlich engagieren und versuchen die Situation der ehemaligen Ortskräfte zu verbessern.
Die wissenschaftliche Beraterin der Initiative, Frau Dr. Sara de Jong, von der Open University aus England erfasst weltweit die Herausforderungen der ehemaligen Ortskräfte, den Unterstützern und den kommunalen Behörden. „Die Herausforderungen sind vielseitig. In manchen Ländern fehlen grundsätzliche Schutzbestimmungen, wie z.B. Visa, für ehem. Ortskräfte. In anderen Ländern steht zur Diskussion, welche Rechte auf Aufenthalt, Arbeit und Sozialleistungen ehem. Ortskräfte haben sollten und in wieder anderen Ländern wird das Thema ignoriert“, so Dr. de Jong. „Es gibt viele Fälle, die eine grenzüberschreitende Dimension haben, wie z.B., dass ehemalige Ortskräfte in ein EU-Land kommen, vielleicht für ein zweites EU-Land gearbeitet haben, aber dann einen Abschiebebescheid in ersterem erhalten und das zweite Land auf das Dublin-Verfahren verweist. Bisher wird hier oft nur national und nicht international gedacht.“, kritisiert de Jong.

Grotian wie auch die Unterstützer von Ortskräften anderer Nationen haben festgestellt, dass die Unterstützung auch von Dolmetscher- und Übersetzerverbänden, Anwaltskanzleien und Akademikern kommt. Die frühere Konferenzdolmetscherin Linda Fitchett (England) arbeitet für ein Projekt das als Teil einer internationalen Koalition von Sprachverbänden versucht, den Dolmetschern und Übersetzern, die in gefährlichen Situationen arbeiten, einen weltweit anerkannten Rechtsschutz zu ermöglichen. Dies kann allerdings nur in den Vereinten Nationen oder der Europäischen Union erreicht werden. So ist Linda Fitchett gerade dabei, eine Anhörung zu dem Thema der ehemaligen Ortskräfte im Europäischen Parlament zu erwirken.

Die Gründung wird von den besten Wünschen anderer engagierter Menschen in diesem Bereich aus England, Frankreich, Belgien, und den Vereinigten Staaten von Amerika begleitet. Der pensionierte US-Oberst und ehem. Direktor für den Irak im Weißen Haus, Steve Miska, war als Vertreter der US-Organisation „No one left behind“ per Videochat bei dem Treffen dazugeschaltet.

Im nächsten Schritt möchte Marcus Grotian als Initiator des internationalen Ansatzes mit verschiedenen politischen und zivilgesellschaftlichen Akteuren das Gespräch suchen. „Wir wollen das Problem des fehlenden anständigen Umgangs mit dieser kleinen Personengruppe in den jeweiligen Ländern aufzeigen und an die Verantwortung, zuerst der NATO und in der Folge dann der UN und der EU, erinnern, in deren Netzwerken die Mitgliedsstaaten ihre Truppen in Auslandseinsätze entsenden.“, so Grotian und führt fort: „Die Ziele dieser Bündnisse zu unterstützen, wurde den Ortskräften zum Verhängnis. Sie im Nachhinein ihrem Schicksal zu überlassen ist unmenschlich und gefährdet außerdem zukünftige Engagements.

„
Die Ziele der Initiative mögen ambitioniert sein, aber Grotian endete das erste Initiativtreffen mit den Worten: „Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer.“

Von AndreasBurka